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Warum so kompliziert: „nach Buchbinder-Art“? Ich will mir nicht anmaßen, auch nur ein Zehntel so viel Ahnung wie ein Buchbinder zu haben. Nicht umsonst ist das ein Ausbildungsberuf.
Was ich dir hier zeige, habe ich mir selbst zusammengesucht, erlesen und getestet. Meine ersten Fotoalben sind mittlerweile 20 Jahre alt und halten immer noch - so schlecht kann ich nicht sein. 😂
Mich fasziniert es sehr, wie aus Pappe, Leim und Buchleinen oder Designerpapier etwas entsteht, das man immer wieder aufschlägt, sich als Deko hinstellt oder anderweitig in Benutzung hat. Schöne Boxen für die Lieblingskarten kannst du genauso individuell herstellen wie kleine Verpackungen oder ganze Fotoalben. Ein Minialbum aus Briefumschlägen ist zum Beispiel ein guter Einstieg, dafür brauchst du kaum Material.
Kompliziert ist das seltener, als es aussieht. Meistens braucht es nur sauberes Arbeiten, vernünftigen Kleber und etwas Geduld beim Trocknen. In den Anleitungen findest du die Maße, die verwendeten (Stampin’ Up!) Produkte und die Arbeitsschritte der Reihe nach - kostenlos und zum direkten Nachbasteln.
Diese Sammlung ist noch jung und wächst nach und nach weiter. Schau also gern wieder vorbei - oder abonniere meinen Newsletter, dann bekommst du neue Anleitungen direkt mit.
Die gute Nachricht zuerst: Für das Basteln nach Buchbinder-Art brauchst du keine Werkstatt. Das Wichtigste ist die Pappe, denn sie gibt deinem Werkstück Halt. Für kleine Sachen reicht die Pappe, die in jeder Designerpapier-Packung steckt, für alles Größere nimmst du Graupappe aus dem Bastelbedarf.
Wie dick die Pappe sein muss, hängt von der Größe deines Projekts ab. Bis etwa 7 x 7 cm, also beim kleinen Notizblock, genügt 1 mm. Alles, was größer ist, wird mit 2 mm deutlich stabiler. Ab etwa 15 cm Seitenlänge nimmst du 3 mm, und zwar sowohl bei Alben, die aufrecht im Regal stehen, als auch bei Boxen. Denn wenn du in eine Box etwas hineindrückst, beulen sich dünnere Seiten mit der Zeit aus. Weicht ein Projekt aus gutem Grund von dieser Regel ab, erfährst du das in der jeweiligen Anleitung.
Wenn du eine dicke Pappe nicht bekommst, darfst du zwei dünnere aufeinanderkleben. Achte dabei darauf, dass beide dieselbe Laufrichtung haben, sonst arbeiten sie gegeneinander und die Pappe liegt nicht mehr plan.
Dazu kommt das Schöne: Designerpapier oder Buchleinen für den Einband, Farbkarton oder auch Designerpapier für innen, Kleber, ein Papierfalter, Lineal, eine Schneidematte und ein scharfes Messer und/oder die Papierschneidemaschine. Der Papierfalter ist übrigens genau das, was im Buchbinderhandwerk Falzbein heißt, du brauchst also kein Spezialwerkzeug zu kaufen. Das meiste davon steht wahrscheinlich schon auf deinem Basteltisch, und für den Rest reichen Reste aus der Papierkiste.
2 oder 3 mm, auf Wunsch dicker
Kurz gesagt: Für kleine Projekte ist die Pappe aus der Packung genau richtig, ab etwa 15 cm Seitenlänge lohnt sich echte Graupappe. Wenn du genau wissen willst, was Graupappe und die einfachen Pappen unterscheidet, kannst du hier nachlesen.
Noch etwas, das dir viel Ärger spart: Papier und Pappe haben eine Laufrichtung. Die Fasern liegen bei der Herstellung alle in eine Richtung, deshalb lässt sich das Material in die eine Richtung leichter biegen als in die andere. Der Test dafür dauert fünf Sekunden. Nimm die Pappe zwischen beide Hände und biege sie ganz vorsichtig, einmal längs und einmal quer. Wo sie leichter nachgibt, läuft die Laufrichtung parallel zu deinen Händen. Bei Papier merkst du den Unterschied noch deutlicher.
Warum das wichtig ist: Die Laufrichtung der Deckel läuft immer parallel zum Falz, beim Hochformat also von oben nach unten. Dann öffnet sich der Deckel sauber und wirft sich nicht. Das Bezugspapier bekommt dieselbe Laufrichtung wie die Pappe, und wenn du zwei dünne Pappen aufeinanderklebst, müssen beide dieselbe Laufrichtung haben.
Ein Tipp aus der Praxis: Markiere dir die Laufrichtung gleich nach dem Test mit einem Bleistiftstrich auf der Pappe. Dann musst du nicht bei jedem Zuschnitt neu probieren.
Beim Kleber entscheidet nicht die Marke, sondern die Art der Verbindung. Alles, was starr bleiben soll, also Boxen, Schachteln und flächige Verklebungen wie beim spiralgebundenen Notizblock, hält bestens mit flächig aufgetragenem Holzleim oder mit Tombow. Sobald sich etwas bewegen soll, also ein Buchrücken oder das Gelenk am Albumcover, nimm Buchbindeleim. Der bleibt nach dem Trocknen elastisch, während Holzleim mit der Zeit zu starr wird und im Knick brechen kann.
Und warum wellt sich Papier? Weil in all diesen Klebern Wasser steckt. Das Papier quillt, wird größer, und beim Trocknen zieht es sich wieder zusammen. Deshalb gilt: lieber dünn und gleichmäßig auftragen als dick, und das Werkstück anschließend beschweren. Doppelseitiges Klebeband wellt zwar gar nicht, ist aber für kleine Teile und Verzierungen gedacht, Pappe hält es auf Dauer nicht.
Ein Millimeter, den du am Anfang schludrig misst, sind am Ende zwei, denn jeder Fehler verdoppelt sich beim Falten. Miss also lieber zweimal und schneide einmal. Schneide immer am Lineal mit frischer Klinge oder gleich mit der Papierschneidemaschine, eine ausgefranste Kante zeichnet sich später unter dem Bezugspapier ab.
Franst doch mal etwas, nimm dir eine Nagelfeile und feile den Rand glatt.
Ein Tipp, der viel Ärger spart: Pappe stumpft Klingen extrem schnell ab. Markiere dir eine alte Klinge, benutze sie nur für Pappe und schneide dein gutes Papier weiter mit der scharfen.
Die Rillen ziehst du am besten mit dem Falzbrett und fährst die Kante danach mit dem Papierfalter nach. Erst dann liegt der Bruch wirklich scharf und das Werkstück schließt später sauber. Die genauen Maße musst du dir dabei nicht selbst ausrechnen, sie stehen in jeder einzelnen Anleitung hier auf der Seite.
Und wenn sich ein Deckel öffnen soll, brauchst du zwischen Rücken und Deckelpappe einen Abstand. Dieser Abstand heißt Falz und ist das eigentliche Gelenk. Als Faustregel gelten 7 bis 8 mm, wenn deine Pappe 1,5 bis 2,5 mm dick ist, bei dickerer Pappe entsprechend mehr. Entscheidend ist nämlich nicht die Pappstärke allein, sondern dass sich die Deckelkante beim Öffnen um den Rücken herumdrehen kann. Bei Leporellos und Klappteilen, die flach nebeneinanderliegen und nur abgeknickt werden, reichen dagegen 2 mm.
Beim Beziehen wird aus einer Pappe ein Buchdeckel. Trage den Kleber immer flächig und gleichmäßig auf die ganze Fläche auf, niemals nur ein paar Striche hier und da. Auch die Kanten brauchen genug Kleber, sonst stellen sie sich später auf. Am besten arbeitest du mit Pinsel oder Spachtel und streichst von der Mitte nach außen.
Das Bezugspapier schneidest du rundum größer zu als die Pappe, damit du genug zum Umschlagen hast. An den Ecken wird das Papier diagonal abgeschnitten, und dabei lässt du immer einen Millimeter mehr stehen, als die Pappe stark ist. Bei 2 mm Pappe also 3 mm Abstand zur Pappspitze. So lässt sich die Ecke sauber einschlagen, ohne dass die Pappe durchblitzt oder das Papier aufträgt.
Lege die Pappe auf das Papier und streiche alles mit dem Papierfalter glatt, wieder von der Mitte nach außen, damit keine Luftblasen eingeschlossen bleiben. Dann schlägst du erst die gegenüberliegenden langen Seiten um und danach die kurzen. Ist eine Seite deiner Pappe deutlich glatter als die andere, klebe lieber auf die raue Seite, dort hält der Kleber besser. Und beziehe größere Teile möglichst auf beiden Seiten, sonst zieht das Papier die Pappe krumm.
Leim enthält Wasser, und Wasser lässt Papier quellen. Beim Trocknen zieht sich alles wieder zusammen, und genau dabei entsteht die Wölbung, über die man sich am Ende ärgert. Dagegen hilft nur zweierlei: Zeit und Gewicht.
Lege dein Werkstück nach dem Beziehen zwischen zwei glatte Flächen und beschwere es. Ein paar dicke Bücher reichen aus, eine Fliese aus dem Baumarkt ist noch besser, weil sie schwer ist und wirklich plan aufliegt. Als Zwischenlage nimmst du am besten Backpapier und kein Küchenpapier. Küchenpapier saugt zwar gut, klebt aber mit fest, sobald Leim herausquillt. Backpapier ist beschichtet und lässt sich rückstandslos abziehen.
Diese Zeiten haben sich bewährt:
Eine Ausnahme sind Schachteln. Die kannst du nicht pressen, denn sie werden bezogen, wenn sie schon fertig zusammengebaut sind. Hier gilt dafür umso mehr: Kleber flächig und gleichmäßig auftragen, das Papier mit dem Papierfalter gründlich anreiben und besonders an den Kanten festdrücken. Danach lässt du die Schachtel offen stehen und trocknen. Wenn du sorgfältig angerieben hast, hält das Papier auch ohne Pressdruck glatt.
Und noch ein Tipp: Plane das Trocknen von Anfang an mit ein. Ein Album an einem einzigen Abend zu basteln funktioniert selten. Schneide und beziehe die Pappen an einem Tag und arbeite am nächsten weiter, dann wird das Ergebnis wirklich gerade.
Was in der Designerpapier-Packung als Stabilisierung liegt, ist streng genommen gar keine Pappe, sondern Karton. Die Norm zieht die Grenze bei etwa 225 g pro Quadratmeter, das entspricht ungefähr 1,5 mm. Unsere Packungspappen liegen mit 1 bis 1,5 mm also genau auf dieser Kante. Im Fachhandel heißt das Material Graukarton oder Maschinengraukarton.
Der Unterschied steckt in der Herstellung. Graukarton besteht aus mehreren dünnen Papierlagen, die nass aufeinandergepresst und verfilzt werden, ganz ohne Klebstoff. Gemacht wird er überwiegend aus Altpapier, ohne Bleiche, ohne Füllstoffe und ohne Strich. Das macht ihn günstig und für Verstärkungen völlig ausreichend, aber er ist holzhaltig und vergilbt mit den Jahren.
Graupappe wird dagegen in einem Zug gewickelt und ist dadurch durch und durch gleich dicht. Sie biegt sich weniger, gibt an der Kante nicht so schnell nach und lässt sich sauberer schneiden. Als Archiv- oder Feinpappe ist sie außerdem alterungsbeständig, und das macht bei einem Fotoalbum, das 20 Jahre halten soll, den Unterschied.
Ein Punkt, der in der Praxis wichtig wird: Geklebte oder kaschierte Pappen können sich mit der Zeit wieder in ihre Lagen auflösen, wenn viel Feuchtigkeit ins Spiel kommt. Für alles, was Leim abbekommt und lange halten soll, ist ungeklebte Graupappe die sichere Wahl.
Für dich heißt das: Kleine Projekte, Einlagen und Verstärkungen dürfen ruhig die Pappe aus der Packung bekommen. Sobald etwas stehen, tragen oder viele Jahre halten soll, nimm Graupappe.
Wenn du noch nie mit Pappe gearbeitet hast, fang klein an. In dieser Reihenfolge fällt der Einstieg am leichtesten:
Teure Spezialwerkzeuge brauchst du dafür nicht. Papierfalter, Lineal, ein scharfes Bastelmesser mit Schneidematte oder die Papierschneidemaschine, Kleber und Pappe reichen völlig.
Und noch ein Rat: Plane das Trocknen von Anfang an ein. Wer gleich mit dem großen Album startet, ärgert sich meistens über Dinge, die beim kleinen Projekt in zehn Minuten gelernt gewesen wären.
Welche Pappe brauche ich wirklich?
Für alles, was stabil sein und lange halten soll, Graupappe. Für leichte Sachen wie den Rücken eines Schreibblocks reicht einfacher Graukarton, also die Pappe aus der Designerpapier-Packung. Die ausführliche Gegenüberstellung findest du weiter oben.
Wie dick muss die Pappe sein?
Bis etwa 7 x 7 cm 1 mm, darüber 2 mm, ab etwa 15 cm Seitenlänge 3 mm. Weicht ein Projekt davon ab, steht die Begründung in der jeweiligen Anleitung.
Ich bekomme keine 3 mm Pappe, was nun?
Du darfst zwei dünnere Pappen aufeinanderkleben. Wichtig ist nur, dass beide dieselbe Laufrichtung haben, sonst arbeiten sie gegeneinander und die Pappe liegt nicht mehr plan.
Welchen Kleber nehme ich wofür?
Für starre, flächige Verbindungen Holzleim oder Tombow. Für alles, was beweglich bleiben soll, also Gelenke und Rücken, Buchbindeleim. Der bleibt nach dem Trocknen elastisch.
Wie lange muss ich trocknen lassen?
Kleine Blöcke 2 bis 3 Stunden, alles ab 10 x 10 cm mindestens 5 Stunden und dabei beschwert, Albumcover am besten über Nacht. Schachteln werden nicht gepresst, sie trocknen offen stehend.
Womit schneide ich Pappe?
Mit der Papierschneidemaschine oder mit einem scharfen Bastelmesser am Stahllineal, immer mit mehreren leichten Schnitten statt mit einem festen. Und ein Tipp, der viel Ärger spart: Pappe stumpft Klingen extrem schnell ab. Markiere dir eine alte Klinge, benutze sie nur für Pappe und schneide dein Papier weiter mit der scharfen.
Papierfalter oder Falzbein, was denn nun?
Beides ist dasselbe Werkzeug. Papierfalter ist der Name, unter dem du es bei Stampin’ Up! findest, Falzbein sagt das Buchbinderhandwerk.
Warum wellt sich mein Bezugspapier?
Meistens, weil der Kleber nicht flächig aufgetragen wurde oder das Werkstück zu früh aus dem Gewicht kam. Kleber gleichmäßig auf die ganze Fläche, Kanten nicht vergessen, danach beschweren und Zeit geben.
Diese Grundlagen gelten für alle Projekte nach Buchbinder-Art, egal ob Schachtel, Notizheft oder Fotoalbum. Wenn du sie einmal im Kopf hast, musst du in den einzelnen Anleitungen nur noch den Maßen folgen.
Alle Anleitungen findest du weiter oben in der Übersicht. Und wenn dir hier etwas fehlt oder eine Frage offen bleibt, schreib sie mir gern in die Kommentare, dann ergänze ich sie an dieser Stelle.
Kommentiere im Blog oder sende mir Fotos deiner Werke zu und wandere in den Lostopf für kleine Materialpäckchen.
Teilnehmen dürfen Personen ab 18 Jahren mit Wohnsitz in Deutschland.
Die Verlosung wird von mir persönlich, Susanna Gäbler-Pohland, durchgeführt und steht in keinem Zusammenhang mit Stampin’ Up!
Bedingungen:
Emails oder Adressen von Nicht-Kunden werden nicht für weitere Werbung genutzt und nach der Verlosung wieder gelöscht.
Die Auslosung für den Erhalt der Materialpäckchen erfolgt nach dem Zufallsprinzip.
Ich verlose jeweils zum Monatsende 10 Pakete mit variablem Inhalt, immer farblich zusammenpassend. Enthalten sind Farbkarton, Designerpapier und Dekoband, eventuell weitere Accessoires (nicht zwingend von Stampin’ Up! oder aktuell bestellbare Artikel).
Viel Glück!